Unser Jubiläumsfest – ein Nachbericht der etwas anderen Art

Im Vorfeld

Als bei unserem 1. Vorsitzenden Stefan Molitor vor etwa zwei Jahren der Entschluss reifte, anlässlich des 90. Geburtstags der Winzerkapelle Kinheim ein großes Jubiläumsfest zu feiern, wurde der „hohe Rat“ des Vereins, der Vorstand, einberufen. Wir waren schnell und gerne bereit, dieses organisatorische Mammut-Projekt aufzunehmen und begannen fleißig mit den Denkprozessen. Auch ein Name für das Fest „Blasmusik-Spektakel; 90 Jahre und kein bisschen leise!“ war nach ein paar Gläsern Wein während der Vorstandssitzungen, die die Kreativität fördern, schnell gefunden. Doch dann begannen die Fragen: Welches musikalische Highlight sollte es freitags geben? Helene Fischer vielleicht? Zu teuer. Eine Rock-Band? Nicht passend zu unserem Fest-Thema. Vlado Kumpan? Könnte ein finanzielles Risiko bergen, da er an der Mosel nicht sehr bekannt ist. Dennoch legten wir uns auf Letzteren fest und nahmen Kontakt zum Management auf. Was veranstalten wir samstags? Musizieren wir Kinheimer am Fest ebenfalls die ganze Zeit mit? Wer stemmt dann aber die Schichten hinter Wein-, Bier-, Kuchenstand, in der Sektbar, bei der Nachtwache, beim Auf- und Abbau,…? Was zügig entschieden und einhellig befürwortet wurde, war die Einladung unserer Musikfreunde aus Hasenweiler und Köln-Flittard sowie die Veranstaltung des Kreismusikfestes sonntags. So rückte Stück für Stück das Fest immer näher. Es wurden Plakate entworfen und in halb Rheinland-Pfalz an jeder Straßenecke verteilt, Werbung über Zeitung und Radio gemacht, eigens für das Jubiläumsfest verfasste Festschriften im ganzen Ort verteilt, der selbst hergestellte Jubiläumswein abgefüllt, neue Uniformen geschneidert, in einer öffentlichen Weinprobe Weine für die Weinkarte getestet und ausgewählt, Wein-Gläser entworfen und bestellt, eine Facebook-Seite der Winzerkapelle Kinheim erstellt, Eintrittskarten gedruckt, Schichten eingeteilt, Quartiere für die Gastvereine gesucht, Dekoration vorbereitet und haufenweise Vorstandssitzungen abgehalten, in denen der minutiös ausgetüftelte Zeitplan angepasst, verfeinert und abgearbeitet wurde.

Die Woche vor dem Fest

jubi003Die heiße Phase des Fests begann mit der Anlieferung des Festzelts am Dienstag, den 8. September 2015. Es hatten sich bei schönem Wetter sehr viele Helfer des Vereins und der ganzen Gemeinde am Moselufer eingefunden, um das „Gerippe“ des Zelts aufzubauen, die Dachplanen über das Zelt zu ziehen, die Bühne aufzubauen, das Essens-Beizelt zu errichten, Theken und Sektbar aufzubauen und überall anzupacken, wo Hilfe gebraucht wurde. Das Zelt hätte in Rekordzeit gestanden – nur leider wurden die Bodenbefestigungen an einer Seite des Zelts um einen Meter versetzt im Boden versenkt. Das erkannten wir erst, als schon einige Bodenplatten fest verankert und dann nur mit Mühe, einem Schmalspur-Traktor und einem Gabelstapler wieder gehoben werden konnten. Bis auf einen gequetschten Finger eines Helfers und der kleinen zeitlichen Verzögerung durch das Neusetzen der Bodenplatten verlief der Tag mehr als erfolgreich, so dass unserem 1. Vorsitzenden ein kurzes, erstes Lächeln abzugewinnen war. Am Mittwoch, den 9. September 2015, waren dann das erste Mal die Mädels gefragt. Es ging ans Dekorieren des Festzelts. Nachdem Tische und Bänke aufgestellt waren, wurden Gläser gespült, 100 Sonnenblumen in farblich zum Zelt passendes Papier gekleidet, Einmach-Gläser mit in den Weinbergen gesammelten Schiefersteinen, Korken und Kerzen dekoriert, einlaminierte Weinkarten verteilt, riesige Blumengestecke für Bühne und Essensstand hergestellt und erste Technik- und Lichtproben gemacht. Während des Donnerstags, dem 10. September 2015, werkelten unzählige fleißige Helfer an der Mosel in und um das Zelt, um tausende Kleinigkeiten, die noch zu tun waren, zu erledigen. Der Toilettenwagen wurde aufgestellt – da er leider in einem etwas desolaten Zustand war, wurde er kurzerhand komplett saniert und auf Vordermann gebracht. Die Kühlwägen wurden bestückt, Lichterketten aufgehängt, der von Katja Molitor entworfene Schriftzug an der hinteren Bühnenwand platziert und Parkplätze für das Fest ausgewiesen.

Das Fest

Am Festfreitag, dem 11. September 2015, wurden zunächst noch die letzten Vorbereitungen für das Fest getroffen. Gegen 14:30 Uhr meldete sich Vlado Kumpan telefonisch von der Tankstelle in Traben-Trarbach. Der Bus war dort „gestrandet“ und fand auf Grund der Straßensperrung zwischen Traben und Kröv keinen Weg nach Kinheim. Sofort brach ein „Vlado Kumpan-Servicewagen“ nach Traben auf und geleitete den Bus mit den tschechischen Musikanten über Mont Royal sicher auf die Wiese hinter dem Kinheimer Festzelt. Während sodann diese Musiker im Festzelt ihren Soundcheck hatten und schon einmal das ein oder andere Gläschen Moselwein, Bier, Schnaps und Kaffee genossen, trudelten im Laufe des Tages auch die ersten Musikfreunde aus Köln-Flittard in Kinheim ein. jubi006Auf dem Dorfplatz war der extra zum Empfang der Musikfreunde früher aufbaute Weinbrunnen als Willkommensbereich hergerichtet worden. Zur anvisierten Zeit um 17 Uhr waren sodann auch die Flittarder bei Fleischwurst und Wein zugegen – jedoch fehlten die Freunde aus Hasenweiler. Sie hatten – wie wir dank permanenten Kontakts über die sozialen Netzwerke wussten – lange im Stau gestanden und kamen deutlich verspätet in Trier, ihrer Zwischenstation auf dem Weg nach Kinheim, an. Die Stadtführung in Trier wurde deshalb kurzerhand etwas verkürzt, so dass der Bus aus dem Schwabenland um 17:30 Uhr endlich Kinheim erreichte. Nach großen Wiedersehensumarmungen fing parallel im Festzelt bereits der Einlass für den großen Abend mit Vlado Kumpan und seinen Musikanten an.Die Gäste strömten mit vorverkauften Eintrittskarten ins Zelt (hier zeigte sich auch das erste Mal ein Lächeln auf dem Gesicht unseres Kassierers Christian Griebler), bekamen ein Erkennungs-Armbändchen verpasst und genossen im Anschluss einen musikalischen Abend der Extraklasse. jubi010Das Publikum war begeistert von den qualitativ hochwertigen, mitreißenden Darbietungen des Startrompeters Vlado Kumpan, dessen 13 andere Musiker auf der Bühne nicht minder begabt und talentiert waren. Unser Dirigent, Christian Vogt, der erst am frühen Freitagnachmittag erfahren hatte, dass eine besondere Aufgabe auf ihn wartete, moderierte den jubi009Abend, witzelte mit Vlado auf der Bühne und trug dazu bei, dass das Publikum amüsant durch den Abend begleitet wurde. Ohne diverse Zugaben wurde Vlado – mit dem unsere Jung-Musiker der WKK selbstverständlich Selfies machten – nicht von der Bühne gelassen. Mit stehenden Ovationen spendete das Publikum Beifall.jubi012 Egal, mit welchem Gast man an diesem Abend ins Gespräch kam – alle waren sich einig, dass es ein musikalisch hochklassiger und wunderschöner Abend war. Selbstverständlich war für die meisten der Abend damit noch nicht zu Ende. Während Jörg Servatius, unser 2. Vorsitzender, als „Vlado-Beauftragter“ für das Wohl des Stars verantwortlich war und seine liebe Müh und Not damit hatte, die tschechische Truppe zusammenzuhalten, feierten viele Gäste, die befreundeten Musiker aus Flittard und Hasenweiler und natürlich auch die Musiker der WKK noch bis in die frühen Morgenstunden im Zelt – vor allem in der Sektbar.jubi013 Der Samstagmorgen startete für diejenigen des Vereins, die Nachtwache im Zelt geschoben hatten, mit dem Gang ins Bett, bei den anderen mit Aufräum- und Säuberungsarbeiten im Zelt und dem Herrichten des Frühstücks für die Hasenweilerer Freunde im Massenquartier in der Sucellus-Halle. Die Kühltheken im Zelt wurden frisch aufgefüllt und Leergut beiseite geräumt, damit für den Abend das Festzelt zum Gala-Abend mit Wein-Zeit-Reise wieder strahlen konnte. jubi017Um 16:00 Uhr versammelten sich die beiden Gastvereine und die WKK vor der Kirche, um mit einem Umzug durch das Dorf die Weinkönigin Franziska I. mit ihren Prinzessinnen Lara und Maureen auf dem Festwagen ins Zelt zu geleiten. Im Zelt nahm dann der Musikkorps Köln-Flittard Platz auf der Bühne und unterhielt das schon gut gefüllte Zelt. Als Geburtstagsgeschenk wurden der WKK von den Flittardern Kölsch-Fässer übereicht und der mitangereiste Schützenverein sang uns ein eigens für uns gedichtetes Ständchen.jubi018 Nachdem die Weinkönigin mit einer Rede der Winzerkapelle zu ihrem Geburtstag gratulierte, startete um 19:00 Uhr endlich die Wein-Zeit-Reise auf der Bühne. jubi019Abwechselnd wurden von Sabrina Müller und Jörg Servatius Geschichten aus den letzten 90 Jahren der WKK in Worten, durch Interviewpartner und mit Fotos und Videos nacherzählt und Weinproben, moderiert von Christian Vogt, verköstigt. Grußworte sprachen unser 1. Vorsitzender Stefan Molitor, der während des ganzen Abends immer und überall anzutreffen war und sich um buchstäblich alles kümmerte, der Landrat Gregor Eibes, der aus der Festschrift zitierte und herausstellte „Die WKK ist ein besonderer Verein, weil wir nicht aus Kröv sind!“, und unser Ortsbürgermeister Walter Klink. Die Wein-Zeit-Reise erzählte über die Sängerinnen und Sänger der WKK, die extra für den Abend alle zusammenkamen, um ein gemeinsames Lied auf der Bühne zu singen, über legendäre Fahrten und Ausflüge, über die WKK als Teil der Heimatgemeinde Kinheim, über die WKK an Fastnacht, die Vereinsfeste, über interessante Zahlen, Daten und Fakten (wie beispielsweise, dass wir in den 90 Jahren 3.864 Proben hatten oder 1.050 Liter Bier pro Jahr nach den Musikproben verköstigen) und nicht zuletzt über den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Dies war der Sieg der WKK-Mannschaft beim Dorf-Fußballturnier 1988 🙂 jubi020An diesem Abend waren alle Aktiven der WKK eingespannt: die Jugendgruppe und die jüngeren Musiker der Stammkapelle waren von Claudia Jostock zum Ausschenken der Weine während der Weinprobe instruiert und hatten alle Hände voll zu tun, die Teilnehmer der Weinprobe zu bedienen. Andreas Kaufmann, unser Techniker, und Johannes Bechtel waren pausenlos im Einsatz, um Licht und Ton auf der Bühne zu koordinieren. Viele Aktive standen als Interviewpartner bei der Wein-Zeit-Reise auf der Bühne und der Rest der Mannschaft war in Standschichten eingeteilt, sorgte sich um die Reinigung des Toilettenwagens und packte immer dort an, wo gerade Not am Mann war. jubi021Im Anschluss an die Wein-Zeit-Reise, die auf Grund lustiger Fotos und amüsanter Videos das Zelt zum Lachen brachte, überbrachte Ignaz Rieth im Namen der anderen Ortsvereine von Kinheim ebenfalls noch ein Geburtstagsgeschenk an die WKK. jubi022Gegen 22:15 Uhr startete der – besonders von uns Kinheimer Musikern – lang ersehnte Auftritt des Musikvereins Hasenweiler. Mit qualitativ hochwertiger Blasmusik begeisterten die Musiker die Zuhörer und ließen das Zelt toben. Erst spät in der Nacht war deren Auftritt zu Ende, aber – wie in der Nacht zuvor – wurde noch bis früh am Morgen im Zelt und in der Sektbar weitergefeiert. jubi023Der Sonntag, der ganz im Zeichen des Kreismusikfests stand, startete mit einem Festgottesdienst im Zelt. Den meisten Musikern der WKK sah man deutlich an, dass Schlafmangel herrschte: die Augen waren klein, die Kopfschmerzen groß. Nach dem Gottesdienst wechselten im Stundentakt die Vereine auf der Bühne. Sage und schreibe neun Vereine spielten auf und weitere sechs Vereine hätten sich um 14 Uhr am Sternmarsch durch die Ortsteile Kinheim, Kindel und Kinheimer Höhe beteiligen sollen. Leider im Konjunktiv! Denn obwohl alles in den Ortsteilen perfekt vorbereitet war, dort Helfer mit Getränken für die am Sternmarsch beteiligten Vereine bereitstanden, Schilder-Kinder Position bezogen hatten und die Feuerwehr die Strecke abgesperrt hatte, spielte das Wetter leider nicht mit. Pünktlich eine Stunde vor dem Losmarschieren begann es heftig zu regnen. jubi026Kurzerhand wurde der Sternmarsch gestrichen und die Vereine nahmen im fast überfüllten Festzelt rechts und links und auf der Bühne Stellung ein. Nach Grußworten von Norbert Sartoris, dem Vorsitzendes des Kreismusikverbands, und des Schirmherrn des Fests Günther Schartz, dem Vorsitzenden des Landesmusikverbands, begann sodann der Gemeinschaftschor. Sechs Vereine (Bombogen, Kröv, Salmtal-Dörbach, Hontheim, Hasenweiler und Kinheim) spielten – dirigiert vom Kreismusikbeauftragten Dietmar Heidweiler – In Harmonie vereint, Smoke on the water und Gruß an Kiel gemeinsam. Ein atemberaubendes Erlebnis für die Musiker und die Zuhörer! jubi024Währenddessen verkauften die fleißigen Helfer am Kuchenstand Kaffee und zahlreiche selbstgebackene Kuchen. Auf Grund des Regens verließ so schnell auch niemand das Festzelt, so dass es bis in den Abend gut gefüllt war. Am Nachmittag traten die Freunde aus Hasenweiler die Heimreise an, jedoch nicht ohne große Umarmungen, Abschiedsküsschen, Getränkevorräten für die Rückfahrt und winkende und singende Kinheimer Musiker, die auf dem Parkplatz neben dem Bus Stellung bezogen hatten, um einen gebührenden Abschied zu veranstalten. jubi028Den Schlusspunkt des offiziellen Fests setzte die Big-Band More than Swing unter der Leitung von Marco Schmitz. Die Band spielte ab 20 Uhr und umrahmte die Ziehung der Tombola-Lose. Neben Geldpreisen gab es zahlreiche Sachpreise zu gewinnen, die spendable Kinheimer zur Verfügung gestellt hatten. Der Abend klang aus mit strahlenden Gesichtern – vor allem der Vorstandsmitglieder des Vereins. So angespannt alle im Vorfeld des Fests waren, da nicht abzuschätzen war, ob alles so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben, genügend Gäste kommen und die Ideen, die wir eingebracht hatten, auch gut beim Publikum ankommen, so locker und gelöst fröhlich waren wir, als wir auf ein rundum gelungenes, wunderschönes Fest zurückblicken konnten. So unendlich viele Helfer waren mit Herzblut mit dabei und machten aus dem Fest ein ganz besonderes Erlebnis!

Nach dem Fest

Auch wenn der offizielle Teil des Fests vorbei war, war die Arbeit noch lange nicht getan. Am Montagmorgen begann pünktlich um 8 Uhr der Abbau im Festzelt. In Windeseile wurden Tische, Bänke, Dekoration, Theken, Technik und Bühne abgebaut. Der Zeltbauer, der um 13 Uhr eintrudelte, staunte nicht schlecht, als bis auf das Gerippe des Zelts bereits alles abgebaut und verstaut war. Dank zahlreicher Traktoren und Gabelstapler, die sich auf der Wiese tümmelten, war alles im Nu auf dem LKW verstaut. Gleichzeitig zum Abbau auf der Wiese wurden die Sucellus-Halle geputzt, der Musikraum aufgeräumt, die Deko-Sachen auseinandergenommen, der Toilettenwagen gereinigt, der Dorfplatz für die Weinfrohen Musikstunden hergerichtet und der Grill angeworfen. Vor dem Musikraum bedankten wir uns mit einem Grillfest bei den tatkräftigen Helfern und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Ein herzliches Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer! Dank unseres tollen Zusammenhalts im Verein und der großen Unterstützung aus der Dorfgemeinde war ein solches Fest möglich!